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Willkommen in der STELP Family, NATAN!


von Jakob Andratsch und Monika Hubbard


Als wir Ende 2020 angekündigt hatten, dass STELP ein Social Business in Form einer Café|Bar in Stuttgart eröffnen wird,
gab es einiges an Spekulation: um den Namen, das Branding und natürlich, wann der Tag der Eröffnung ist. Heute freuen wir uns sagen zu können: Ab dem 08. Mai sehen wird uns im … NATAN!

Mit dem NATAN haben wir eine Idee im angesagten Leonhardsviertel zum Leben erweckt, die vor vielen Jahren im Stuttgarter Westen geboren wurde und sich zwei Jahre in der Planung befand. Bei uns verbindet sich eine moderne vegetarische Küche mit dem Wunsch vieler Menschen, sich sozial engagieren zu wollen — allerdings ohne viel Tamtam, sondern einfach so, unkompliziert, im Alltag. 

“Gutes tun soll im besten Fall Spaß machen, egal ob Event oder Spendenaktion”, betont Serkan Eren. “Wir sind keine Hilfsorganisation, die Passanten auf der Königstraße eine Spendendose unter die Nase hält. Daher liegt ein Social Business nahe. Dass uns allerdings so viele Unternehmen und Institutionen durch günstige Konditionen unterstützen, und sogar Läden, von denen wir gedacht haben, dass sie uns als Konkurrenz betrachten, haben wir nicht erwartet, und es hat uns sehr bewegt.” Ein weiteres Plus, damit jeder zusätzliche Euro dort ankommt, wo er am dringendsten benötigt wird — denn der gesamte Gewinn des NATAN fließt in die internationalen Projekte von STELP. 

Dass das Trinkgeld davon ausgenommen ist, versteht sich von selbst. Es geht ohne Abzüge an unsere Crew. Und die ist ebenfalls alles andere als gewöhnlich: Ganz nach dem STELP Prinzip, dass jeder einbringt, was er kann, arbeiten im NATAN hinter der Theke, im Service und in der Küche Menschen, die sich ehrenamtlich für die gute Sache einsetzen.

Menschlichkeit, Frieden, eine Umarmung über Grenzen hinweg


Auch der Name NATAN ist für uns mehr als nur fünf Buchstaben. „Er hat es zumindest versucht“ hat man dem israelischen Visionär und Friedensaktivisten Abie Nathan auf den Grabstein geschrieben. Er wurde 1927 im ehemaligen Persien geboren und in Bombay von Jesuiten erzogen. Früh schon setzte er sich gedanklich mit einer multikulturellen Welt auseinander, die ihm versöhnlicher und pazifistischer erscheint als alles bisher Erlebte. Dieses Empfinden hat seine Ideologie ein Leben lang begründet und begleitet: die Idee der Menschlichkeit, der Begegnung im Frieden, der Umarmung über Grenzen hinweg.

In den 1960er Jahren macht sich Abie Nathan als Bohème einen Namen, als Menschenfänger voller Lebensfreude, stets umgeben von schönen Frauen und Künstlern aus aller Welt. Er eröffnet in Tel Aviv das Café California, füllt es mit zeitgenössischer Kunst — als Rücklage für schlechte Zeiten — und bringt den Burger nach Israel. Zwar ist es nur eine Boulette, doch sie verleiht den Gästen das Gefühl, die Weite der Welt in eine zunehmend kosmopolitische Stadt zu bringen. Das Café läuft gut, es ist schnell stadtbekannt und Treffpunkt der israelischen High Society. 

1965, in einer Zeit, in der er als Vorsitzender der Nes-Partei für das israelische Parlament kandidierte, kauft sich Abie eine Boeing-Stearma, Kennzeichen 4X- AIA, streicht sie weiß und gibt ihr den Namen „Shalom 1“. Als die Wahlergebnisse bekannt wurden, und er die erforderliche Stimmenzahl um nur 2.000 Stimmen verfehlt, beschließt Abie, nach Ägypten zu fliegen. Er will Präsident Gamal Abd el Nasser eine Friedensbotschaft überbringen. Ein verbotenes Unterfangen zu dieser Zeit, und zugleich undenkbar. Presse und Regierung sind außer sich. Und so überrascht es nicht, dass Abie direkt nach seiner Landung festgenommen wird. Bereits am nächsten Tag muss er den Rückflug antreten und wird, zurück auf heimatlichem Boden, wegen illegalem Grenzübertritt festgenommen, dann aber auf Kaution freigelassen. Die Öffentlichkeit feiert ihn, er gewinnt an Status. Der symbolträchtige Flug nach Ägypten sollte das Leben von Abie für immer verändern. Fortan hat er nur ein Ziel: sich für Frieden einzusetzen.

Abie Nathan | © Dan Hadani Collection

“We are the voice of peace”


1969 verkauft er seine Kunstsammlung und erwirbt ein Schiff, das er zur mobilen Sendestation ausbauen will. Doch sein privates Vermögen reicht nicht aus. Er setzt nach New York über, in der Hoffnung, die dortige Antikriegsbewegung für sein Vorhaben nutzen zu können. Abie trifft unter anderem John Lennon, der ihn mit Spenden und Spendenaufrufen unterstützt, so dass er sein Vorhaben nach Jahren in die Tat umsetzen kann. 1974 geht das „Peace Ship” schließlich in den internationalen Gewässern des Mittelmeeres auf Sendung. Über staatliche und religiöse Grenzen hinweg verkündet Abie mit einer Crew aus Technikern und Radiomachern seine Botschaft: „We are the voice of peace.“ Als moderner und friedvoller Pirat erreicht er damit zeitweise bis zu acht Millionen Zuhörer*innen.

Abie kann Tabakkonzerne, Spirituosen- und Getränkehersteller als Werbesponsoren gewinnen. Es gibt Monate, in denen sein Sender bis zu 200.000 US Dollar Gewinn erzielt. Abie spendet alles, sorgt dafür, dass das Geld dort ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird. Über zwanzig Jahre sendet die “Voice of Peace” ihre weltpolitischen Beiträge hinaus in den Äther, immer unterlegt mit moderner Musik. Es ist ein Sender für die junge Generation. So gelingt es Abie wie keinem anderen, das Thema Frieden am Puls der Zeit zu platzieren.

Es ging Abie immer nur darum, anderen zu helfen.
 

Nicht immer verlief Abies Aktivismus reibungslos und frei von Risiken. Er trat mehrmals in Hungerstreik, um für Frieden aufzurufen und die politischen Mächte zum Einlenken zu bewegen. Aber er wollte immer Teil der Lösung sein, nicht des Problems. Sein einzigartiges Talent zu organisieren und Menschen zu überzeugen, zeichneten ihn aus. Er trat für die Armen und Hungerleidenden in Afrika ein, er rettete Menschenleben und er war nach humanitären Katastrophen oft einer der ersten vor Ort, um zu helfen. Nicht selten kritisierte er gerade aus diesem Grund die großen Hilfsorganisationen, die durch ihre umständlichen, bürokratischen Wege nie so schnell waren wie er und seine Mitstreiter.

Für Abie Nathan war materieller Besitz nie von Bedeutung. Ihm ging es immer nur darum, anderen Menschen zu helfen. Am Ende seines Lebens blieb ihm nichts. Und so versenkte er 1993 die “Voice of Peace” im Mittelmeer. Die Spendenbereitschaft ließ nach, sein großes Ziel, Frieden zu stiften, schien nach dem Osloer Friedensabkommen nicht mehr von Bedeutung. Abie starb 2008 verarmt in einem Altersheim in Tel Aviv. „Keine Straße, keine Schule ist in Israel nach ihm benannt, als hätte es ihn nie gegeben“, sagt der Schriftsteller Gideon Levy über diesen bemerkenswerten Mann. 

Aber Abie Nathan darf nicht in Vergessenheit geraten. Sein Leben, seine Mission, sein Tatendrang sind für uns eine Inspiration – und es ist uns eine Ehre, unsere Café|Bar nach ihm zu benennen. 

Auch wir von STELP versuchen jeden Tag aufs Neue mit unserer Arbeit Menschen zur Seite zu stehen, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie wir. Und dabei wissen wir, was auch Abie Nathan  wusste: dass es sich nicht ausschließt, das Leben zu lieben und in vollen Zügen zu genießen, sich aber gleichzeitig mit genauso viel Hingabe für andere einzusetzen. 

Bei STELP machen wir das bereits, und nun auch im NATAN, wo wir einen wesentlichen Gedanken unserer Arbeit weiterführen: Alleine lässt sich wenig bewegen; aber durch unseren stetig wachsenden Pool aus Ehrenamtlichen, Partnern, Sponsoren und Freunden können wir mit noch mehr Impact überall da aktiv werden, wo die Not am größten ist. Unser Ziel ist eine Welt, in der Menschen selbstbestimmt in Würde und Sicherheit leben und ihre Zukunft aus eigener Kraft gestalten können. Mit weniger werden wir uns niemals zufrieden geben.

Noch mehr Informationen findest du auf der NATAN-Webseite: http://natan-cafeandbar.com/