Gründer und Vorstand Serkan Eren spricht über Erfolge, Herausforderungen und künftige Pläne von STELP e. V.

Text: Monika Hubbard

Vor zwei Monaten hat STELP im Stuttgarter Westen offiziell Quartier bezogen. In dem kleinen Gewerberaum in der Johannesstraße 35, wo früher Maultaschen über die Theke gingen, begrüßt heute ein riesiges Graffiti Besucher, Partner und Mitarbeiter der Hilfsorganisation. Und über der Eingangstür ragt das Werbeschild mit dem blau-gelben Logo keck, und fast ein bisschen stolz, in den Himmel der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Ein bisschen stolz ist auch der Gründer und Vorstand von STELP e. V., Serkan Eren, der 2015 mit der Hilfsaktion “Balkan Route Stuttgart” den Grundstein für den heutigen Verein gelegt hat. Damals, als mehr Menschen als je zuvor nach Europa und Deutschland kamen und Schutz vor Krieg, Armut und Verfolgung suchten, hat er ohne lange zu zögern gestrandeten Menschen in einem Flüchtlingscamp nahe der mazedonischen Grenze geholfen.

 

“Es gab nur eine logische Konsequenz:
ein eigenes Headquarter.”

 

Heute kann er es selbst immer noch kaum fassen, dass es ein STELP Büro gibt. “In den letzten vier Jahren haben wir unsere Wohnungen als Büros, Warenlager und Meetingräume zweckentfremdet, aber mit zunehmendem Wachstum unseres Vereins sind wir irgendwann an eine Grenze gestoßen. Es macht langfristig einfach keinen Sinn, Gespräche nur in Wohnzimmern, Bars oder über Whatsapp zu führen. Also gab es nur eine logische Konsequenz: ein eigenes Headquarter.”

 


Headquarter mag für manchen vielleicht etwas übertrieben klingen, aber für den Verein mit mittlerweile mehr als 120 Mitgliedern, über 200 Ehrenamtlichen und Hilfsprojekten auf drei Kontinenten ist es genau das: auf den bescheidenen 40 m
2 laufen ab sofort alle Fäden zusammen. Hier arbeitet und trifft sich der Vorstand, werden Projekte und Aktionen geplant und gesteuert, Volunteers gecoacht und Partner und Interessenten empfangen. Serkan ist überzeugt, dass der neue Standort viele Vorteile mit sich bringen wird, so dass STELP mittelfristig noch effektiver Hilfe für Menschen in Not leisten kann.

“Wir sind unglaublich dankbar für die zahlreichen Unterstützer und Sachspenden, ohne die wir das Büro in der Form nicht realisieren hätten können”, sagt Serkan, und fügt hinzu: “Es begeistert mich jedes Mal wieder, wenn ich sehe wie sich Menschen vom Prinzip STELP inspirieren lassen: sich gemeinsam einbringen, jeder auf seine Art und innerhalb seiner Möglichkeiten, um eine gute Sache zu unterstützen.”

 

“Menschen in Not schnell und unbürokratisch
zu helfen, können wir am besten.”

 

Eine weitere Neuerung bei STELP ist die Gründung einer gemeinnützigen GmbH. Sie wird sich künftig — zunächst einmal — um die Planung der zahlreichen Events und Aktionen kümmern, die STELP organisiert. Diese erweiterte Geschäftsstruktur ermöglicht es dem Verein nicht nur, dass die Marke STELP an Bekanntheit zunimmt und in neue Bereiche vordringen kann, sondern vor allem auch, konstant Einnahmen zu erzielen — und zwar unabhängig von Spenden. “Uns war es immer wichtig, dass fast alle Spenden in unseren Hilfsprojekten ankommen. Aber unser steter Wachstum als Verein erfordert eben auch den Wachstum der internen Strukturen, und dazu braucht man finanzielle Ressourcen.” Durch die strukturelle Trennung von Vereinsarbeit und Events kann sich das Team um Serkan künftig voll auf das konzentrieren, was es am besten kann: Menschen in Not schnell und unbürokratisch helfen. “Das ist und bleibt unser Kerngeschäft, und das wollen wir ausbauen.”

 


Aktuell ist STELP mit Suppenküchen, Bildungsprogrammen und der Betreuung von Flüchtlingen in der Türkei, Griechenland und im Jemen aktiv. Geplant ist ein Projekt in Nepal. “Seit es STELP gibt, vergeht kein Tag, an dem wir keine Hilfsbedürftigen unterstützen”, sagt Serkan. “Erst vor zwei Wochen haben wir einen LKW mit mehr als 500 Kartons Sachspenden auf den Weg nach Athen geschickt, um dort tausenden Bedürftigen durch den Winter zu helfen. Wir haben sehr starke Partner hier in Stuttgart und vor Ort in unseren Projekten, die mit unserer Unterstützung, tagtäglich und ohne Pause fantastische Arbeit leisten.

 

“Unser Ziel? STELP dicht machen!“

 

Fragt man ihn nach dem langfristigen Ziel des Vereins, dann antwortet Serkan: “STELP dicht machen! Weil dann haben wir allen geholfen, die in Not sind und man braucht uns nicht mehr. Aber natürlich sind wir Realisten und wissen, dass dies nicht passieren wird. Daher wollen wir expandieren und mehr Projekte in neuen Regionen aufbauen. Wir wollen auch noch mehr Stuttgarter abholen, einbinden und für unsere Arbeit begeistern, uns aber mittelfristig auch bundesweit als innovative und erfolgreiche Hilfsorganisation etablieren.”

STELP hat wie immer viel vor. Das war nie anders. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass der unbeirrbare Wille in der Tat oft auch den Weg bereitet. Man darf also gespannt sein.